Im Namen des Verbands der deutschen Slavistik möchte ich mit diesem Schreiben unserem Unverständnis gegenüber der offenbar erneut geplanten Einstellung der mehrsprachigen COSMO-Programme Ausdruck verleihen.
Deutschland ist nicht nur reich an Dialekten – Deutschland ist ein mehrsprachiges Land, bereichert durch eine Vielzahl an mitgebrachten und in Familien weitergegebenen Sprachen. Mit seinem Programm trägt COSMO diesen vielfältigen Sprachbiographien Rechnung und macht die oftmals verborgene Mehrsprachigkeit hörbar. Über Sprache(n) verbindet es Menschen, Kulturen, Geschichten, und macht zugleich auf diese Verbindung neugierig. Der Wert von Mehrsprachigkeit ist unumstritten; diese Kompetenz und ihre emotionale Bedeutung wertzuschätzen, ist eine der großen Leistungen der mehrsprachigen COSMO-Programme, die zudem auch von Lernern der fraglichen Sprachen rezipiert werden.
In vielen Fällen stellen diese Programme zudem die einzige Möglichkeit dar, sich qualitätsgesichert und nicht anhand von durch Propaganda gekennzeichneter „Information“ autokratischer Regime in den jeweiligen Sprachen zu informieren. Man könnte sich fragen, ob angesichts der vielen ukrainischen Geflüchteten nicht auch ein Programm auf Ukrainisch angeboten werden sollte. Stattdessen ist eine Abschaffung der bestehenden mehrsprachigen Programme in Diskussion.
Die vielsprachigen Programme einzustellen, wäre ein mehr als bedauerlicher Schritt: Sprache ist, so banal das klingen mag, das beste Mittel, miteinander im Gespräch zu bleiben.
Barbara Sonnenhauser
Vorsitzende des Verbands der deutschen Slavistik
